Die Freiwillige Feuerwehr von Saulheim – Zweitgrößte Wehr in der Verbandsgemeinde Wörrstadt

22.02.2016

Mit der Alarmierung fängt jeder Einsatz an       (Link Zeitungsartikel Nachrichtenblatt)
Die Leitstelle in Mainz löst Alarm aus und die Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Saulheim wird informiert. Ein Brand in einem Gewerbebetrieb erfordert den Einsatz mehrerer Feuerwehren der Verbandsgemeinde (VG) Wörrstadt. Mit dem Einsatzleitwagen (ELW) aus Saulheim sollen die Maßnahmen an der Unglückstelle koordiniert und geführt sowie die Verbindung zur Leitstelle und anderen Hilfskräften, z. B. dem Technischen Hilfswerk (THW) gehalten werden. Der ELW ist für einen Einsatzleiter und sein Team der ideale mobile Leitstand, geeignet zur Kommunikation und Dokumentation der Ereignisse am Einsatzort. Doch zunächst informiert Wehrführer Karsten Bieser seine im Gerätehaus der Saulheimer Feuerwehr eintreffenden Kameraden. Die Feuerwehrleute ziehen rasch und routiniert ihre persönliche Schutzbekleidung an. Je nach Spezialisierung steht individuelle Zusatzausrüstung, beispielsweise Atemschutzgerät, bereit. Innerhalb weniger Minuten fährt der ELW mit seiner Bedienmannschaft los, gefolgt von einem Löschgruppenfahrzeug 16 / 12 (LF 16/12), konzipiert für Brandeinsatz sowie technische Hilfeleistung und meistens erstausrückendes Feuerwehrfahrzeug.

Jeder Einsatz ist anders, alles muss koordiniert ablaufen
Am Unglücksort verschafft sich Einsatzleiter Bieser einen Überblick über die Lage, ordnet erste Maßnahmen zur Absicherung und Brandbekämpfung an, schätzt die Gefährdung für seine Feuerwehrleute ab und veranlasst eine erste Meldung an die Leitstelle. „Wichtig ist, dass alles koordiniert abläuft, Hand in Hand und mit gegenseitigem Schutz“, sagt Bieser und gibt klare taktische Anweisungen. Der Einsatz ist angelaufen. Eine Gasexplosion hat ein großes Feuer entfacht, ein Fall für den Klassiker unter den Feuerwehrfahrzeugen, das Tanklöschfahrzeug 16 / 25 (TLF 16/25) mit 2.500 Liter Löschwasser an Bord. Mittlerweile fluten ein riesiger geplatzter Wasservorratsbehälter auf dem Firmengelände und das Löschwasser den Keller des metallverarbeitenden Betriebs. Überschwemmte Elektroversorgung und gelagertes Material stellen eine neue Herausforderung dar. Mehrere Angriffstrupps verschaffen sich Klarheit über den Löscherfolg, die Begehbarkeit von Gebäudeteilen und Keller sowie das Schadensausmaß. Die Mannschaft im ELW fasst alles zusammen und setzt eine entsprechende Meldung ab.

Jetzt darf das Multitalent der Verbandsgemeinde ran
Das Mehrzweckfahrzeug Größe 3 (MZF 3) wird bei der Saulheimer Feuerwehr abgerufen. Aufgrund seiner variablen Belademöglichkeiten kann es rasch vielfältige Einsatzgeräte oder Ausrüstung an die jeweilige Einsatzstelle transportieren. In diesem Fall sind die Rollcontainer für leistungsfähige Wasserförderung, Beseitigung von Wasserschäden, Hilfe bei Unwetter und Hochwasser sowie Stromversorgung und Beleuchtung auf dem MZF 3 verladen. Wenig später arbeiten die Pumpen mit Hochdruck und fördern das Wasser aus dem Gebäudekeller in einen Tankwagen eines Entsorgungsunternehmens, den Bieser dafür angefordert hat. Geraume Zeit später ist die Lage unter Kontrolle. Und hier  endet das Drehbuch für die nächste größere Übung der Saulheimer Freiwilligen Feuerwehr...

Jeder Einsatz und jede Übung werden sorgfältig nachbereitet, Fahrzeuge und Gerät
gereinigt, gewartet und überprüft. Ebenso wird ausgewertet, was gut geklappt hat oder noch verbessert werden kann. Das wird dann in der Ausbildung und im Training der Feuerwehrbesatzungen umgesetzt.  „Die Feuerwehrmannschaften müssen auch unter erschwerten Bedingungen in jeder Situation ihr Handwerk beherrschen“, sagt Jens Lehrbach, Hauptbrandmeister bei der Freiwilligen Feuerwehr Saulheim, der mittlerweile über das Hobby zum Beruf gelangt und bei der Berufsfeuerwehr in Mainz angestellt ist.

Alles will gelernt sein – und regelmäßig geübt.
In Saulheim werden die theoretischen und praktischen Grundlagen kontinuierlich im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr gelegt. Ergänzendes Wissen wird bei Schulungen, Informationsbesuchen in anderen Feuerwehreinrichtungen oder in Lehrgängen und Seminaren, z. B. an der Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule Rheinland-Pfalz in Koblenz erworben. Feuerwehr zum Anfassen stellen die zusätzlichen monatlichen Übungen im Ortsbereich von Saulheim vor den Augen der Bürger dar.

„Ein besonderer Höhepunkt war die Übung der Atemschutzgeräteträger im Brandcontainer im September 2015“, merkt Wehrführer Karsten Bieser an. Die VG Wörrstadt hatte einen Brandcontainer über die EnBW nach Wallertheim geholt. Vor Ort konnten alle Atemschutzgeräteträger der VG den Ernstfall unter realistischen Bedingungen üben. Die Herausforderung bestand in der Bekämpfung diverser Brandstellen im Container, die über die Kontrollzentrale unterschiedlich gesteuert wurden. Diese flammten immer wieder unterschiedlich auf und zwangen zu blitzschnellem Handeln. „Da muss jeder Handgriff sitzen, außerdem sind Hitze, volle Montur und Arbeiten unter Atemschutz außerordentlich anstrengend“, weiß Bieser aus eigener Erfahrung zu berichten. Auf der Homepage der Saulheimer Feuerwehr gibt es dazu übrigens einen brandheißen Videoclip.

Grundsätzlich wenden die Aktiven in der Freiwilligen Feuerwehr Saulheim etwa einen Abend pro Woche für den ehrenamtlichen Dienst auf. Die umfassende Ausbildung bei der Feuerwehr kommt oftmals auch dem Arbeitsalltag zu Gute. Viele Fertigkeiten können, vor allem wenn sie zertifiziert sind, im Berufsleben gefragt und hilfreich sein. Eine gute Qualifikation, die durch ehrenamtliches Engagement erworben wird, nützt auch einem Arbeitgeber, beispielsweise im Handwerk (Brandverhütung, Unfallschutz, Erste Hilfe) und weckt hoffentlich umgekehrt Verständnis für einsatzbedingte Abwesenheiten vom Arbeitsplatz für Einsätze bei der Feuerwehr.

Im Dienst der Gemeinschaft
Im Unterschied zur Berufsfeuerwehr ist das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr ein ehrenamtlicher, sozialer, unentgeltlicher Dienst für das Gemeinwohl. Aber er fordert ebenso professionelles Können, verantwortliches Handeln und persönlichen Einsatz. „Wer bei der Feuerwehr ist, tut das aus Überzeugung“ resümiert Frank Haft, Stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Saulheim. „Ich bin mir sicher, dass die Ortsbevölkerung unser Engagement anerkennt und wertschätzt. Sie weiß, dass sie sich auf ihre Feuerwehr verlassen und ihr vertrauen kann.“ Rund 60 Einsätze leistete die Freiwillige Feuerwehr Saulheim im Jahr 2015, insbesondere zur Brandbekämpfung und Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen. Sie ist die zweitgrößte Feuerwehr in der Verbandsgemeinde (nach Wörrstadt) und zählt derzeit 54 aktive Mitglieder und 10 Jugendliche.

Die Wehr ist auch im kulturellen und sozialen Ortsgeschehen in Saulheim eingebunden. Sie unterstützt bei zahlreichen Veranstaltungen, leistet aber auch einen Beitrag als gern besuchter Lernort für Kindergarten- und Schulkinder zum Thema Brandschutzerziehung und Unfallverhütung.   „Wer an der Feuerwehr Interesse hat, ist gerne willkommen. Das gilt für Jugendliche ebenso wie für Erwachsene“, wirbt Hauptbrandmeister Markus Mehlem. In diesem Sinne lädt die Feuerwehr in Saulheim auch Neubürger zum ehrenamtlichen Engagement ein und bietet so eine Möglichkeit, sich in der neuen Heimat zu integrieren. Eine starke Gemeinschaft lebt schließlich auch von der Vielfalt ihrer Mitglieder.

Feuerwehr ist was zum Anfassen
Für Jugendwart Alexander Heilmann, bietet die Feuerwehr insbesondere Jugendlichen eine Alternative zu ihrer virtuellen Welt der Handys und Computerspiele: „Feuerwehr ist Technik und Teamwork zum Anfassen und Erleben. Jeder kann mit anpacken, gemeinschaftlich arbeiten und sich nicht nur alles am Bildschirm zu Hause anschauen.“ Nachwuchs wird bei der Saulheimer Freiwilligen Feuerwehr ab 10 Jahren aufgenommen, aber selbstverständlich sind auch Heranwachsende und junge Erwachsene willkommen. Frauen und Mädchen übrigens genauso wie Männer und Jungen.

Alle zwei Wochen finden Übungen statt, in der das Betreuerteam der Jugendfeuerwehr spielerisch die Grundlagen des Feuerwehrdienstes vermittelt. Auch die Jugendfeuerwehr bringt sich aktiv im Saulheimer Ortsgeschehen ein, sei es bei Ferienspielen, Aufstellen des Kerbebaums mit der Kerbejugend oder der Absicherung der Sankt-Martins-Umzüge. Im Dienst der Allgemeinheit überprüft sie im Ortsgebiet Hydranten und Absperrschieber auf ihre Winterfestigkeit und fettet sie gegen Festfrieren ein. Gerade für Jugendliche bietet das ehrenamtliche Engagement in der Feuerwehr möglicherweise Perspektiven für eine berufliche Orientierung, z. B.  in Berufsfeuerwehren oder anderen „Blaulichtorganisationen“.

Der Förderverein unterstützt die aktive Freiwillige Feuerwehr
Wer nicht als Aktiver der Feuerwehr beitreten will oder kann, sich dennoch in den Dienst der guten Sache stellen möchte, hat die Möglichkeit, dem Förderverein beizutreten, der als gemeinnütziger Verein allen offen steht. „Der Förderverein unterstützt die Freiwillige Feuerwehr mit dem Ziel, deren Einsatzbereitschaft stetig zu optimieren. Er leistet damit dem Gemeinwohl und der Sicherheit für die Bürger einen wertvollen Beitrag“, erklärt Heinz Peter Jung, Vorsitzender des Fördervereins. Als  Beispiel nennt er die Anschaffung zusätzlicher leichter Einsatzjacken für die Aktiven. Die neuen Jacken sind praktisch und eigenen sich hervorragend für Ausbildung und Übung. So schont man die schweren und teuren Brandabwehrjacken und spart letztlich Geld. „Ein ganz besonderes Anliegen sind uns Fahrsicherheitstrainings für die Fahrer der Feuerwehreinsatzfahrzeuge. Die müssen oft bei widrigen Bedingungen und schwierigen Straßenverhältnissen sicher und zügig mit ihren schweren Spezialfahrzeugen zum Einsatzort gelangen“, stellt Meik Dörrschuck, Vorstandsmitglied und Kassenwart des Fördervereins, heraus. „Deswegen sponsern wir Schulungen im Simulator und Fahrstunden auf dem Übungsparcour unter professioneller Anleitung.“

Zur Finanzierung dieser Unterstützungsleistungen beteiligt sich der Förderverein an verschiedenen Veranstaltungen, z. B. der Kerb. Dafür sind freiwillige Helfer im Dienst der guten Sache gern gesehen. „Hierbei muss man auch mal unseren Frauen einen ganz besonderen Dank aussprechen“, unterstreicht Vorsitzender Jung. Klar ist, der Förderverein wird der Freiwilligen Feuerwehr Saulheim auch weiterhin tatkräftig zur Seite stehen und den Kontakt zu Gemeinde und Mitbürgern pflegen.